Field Recording Tutorial – Tipps und Tricks für Einsteiger

Raus aus dem Studio, rein ins Leben! Digitale Recorder werden immer besser und erschwinglicher: Viele Musiker aber aber auch Sounddesigner verwenden daher immer mehr selbst aufgenommene Field Recordings für ihre Projekte. Oft kostet das sogar weniger Zeit und steigert die Individualität des Projektes, da man nicht auf bereits vorhandenes Material zurückgreifen muss. Aus diesem Grund wollen wir hier einen kurzen Einblick in die Welt des Field Recording geben und einige Tipps für eine gelungene Aufnahme nennen.

von Frederic Schmidt

Field Recording
Raus aus dem Studio, rein ins Leben! Die besten Sounds warten draußen auf euch. Doch worauf kommt es hierbei an? Technik, Tipps und Tricks für eine gelungenes Field Recording.

Auswahl des Equipments

Bevor wir loslegen können und es ans Eingemachte geht, brauchen wir noch die richtige Ausrüstung. Wichtig und richtig ist nicht immer der Preis, den du für dein Equipment zahlst, sondern immer nur in Relation dazu, was du vorhast. Heutzutage ist es ohne Probleme möglich, auch hervorragende Ergebnisse mit günstigen Geräten zu erzielen!

Mobile Recorder

Bei der Auswahl eines geeigneten Recorders kommt es immer darauf an, für welchen Zweck der Künstler die Aufnahmen verwenden will und wie hoch der Anspruch an die Soundqualität ist, denn wie in jedem technischen Bereich kann man hier viel oder wenig Geld ausgeben.

Einsteigergeräte bieten meist nicht die Möglichkeit externe Mikrofone zu verwenden, die integrierten Mikrofone erfüllen hier aber schon die meisten Bedürfnisse. Um auf spontane Aufnahmen vorbereitet zu sein empfiehlt es sich ein möglichst kleines Gerät dabei zu haben, dass leicht und einfach zu bedienen ist. Sie verfügen meist über X/Y oder klein AB Stereo Mikrofone mit denen man schon sehr gute Ergebnisse erzielen kann. Hierzu eignet sich das Zoom H1 oder das Tascam DR-05 sowie andere Geräte in der Preisklasse (ca. 100 Euro). Eine echt gute Alternative sind auch Aufsteckmikrofone für iPhones wie das Zoom iQ7 oder das Shure MV88, Rode iXY, Tascam iM2, in einer ähnlichen Preisklasse. Solche Werkzeuge liefern mittlerweile wirklich passable Ergebnisse – und kompakter geht’s kaum!

Um externe Mikrofone verwenden zu können braucht man einen Recorder mit XLR-Anschlüssen. Hier eignen sich als Einsteigergeräte gut das Tascam DR-40 V2 sowie das Zoom H4n Pro. Dabei können auch Kondensatormikrofone verwendet werden, die eine 48V Phantompower benötigen. Auch die Verwendung von Richtmikrofonen oder der Aufbau verschiedener Stereoaufnahmeverfahren ist somit kein Problem mehr (MS, groß AB, ORTF), bei mindestens 2 externen Mikrofoneingängen.

Die Recorder zeichnen meist auf SD oder SDHC Speicherkarten bis 32 GB auf, Geräte der oberen Preisklassen können oft auch größere Speichermedien verarbeiten. Einer der wichtigsten Parameter beim Kauf sollte der Signal-Rauschabstand sein: Er gibt Ausschlag darüber, wie hoch das Rauschen ist, wenn der Eingangspegel erhöht wird um auch leise Geräusche und Atmos gut aufnehmen zu können. Dieses Thema ist direkt einen eigenen Punkt wert:

Auf Preamps achten!

Bei günstigen Fieldrecordern wird häufig an der Qualität der Preamps gespart. Das macht besonders bei leisen Schallquellen Probleme, wenn das Grundrauschen der Vorverstärker zu groß ist. Schöne kleine Tools sind der Aufsteck-Vorverstärker „FetHead“ der Firma Triton Audio und die Pegelverstärker der Serie „Cloudlifter“ von „Cloud Microphones“. Sie arbeiten sehr rauscharm und liefern bis zu 27dB mehr Gain. Diese Preamps werden über XLR mit dem Fieldrecorder verbunden und vergrößern den Signalrauschabstand. Somit könnte man buchstäblich Insekten krabbeln hören, da das Mikrofon nun viel sensibler arbeiten kann.

Um diese nutzen zu können, muss man natürlich darauf achten, dass der gewählte Recorder überhaupt den Anschluss von externen Mikrofonen hat (üblicherweise XLR-Eingänge), da diese den Mikrofonen vorgeschaltet werden.

Externe Mikrofone

Mit folgenden Mikrofonen lassen sich schon ganz passable Ergebnisse erzielen (nach Preis aufsteigend sortiert):

Stereomikrofone

  • Audio Technica Pro24
  • Beyerdynamic MCE72
  • AT822 und AT825
  • Røde NT4

Richtrohrmikrofone

  • Røde NTG 1 – 3
  • Beyerdynamic MCE85
  • Sennheiser MKE 600
  • Sennheiser 416 P48

Spezialmikrofone

Ferner gibt es noch ein paar Exoten im Mikrofonschrank besonders experimentierfreudiger Field-Recordisten: Zum Beispiel das H2A-XLR Hydrophone von Aquarian, welches unter Wasser verwendet werden kann. Des weiteren gibt es auch Binaurale Stereomikrofone (OKM, KKM) für besonders räumliche Aufnahmen, diese lassen sich aber nur mit Kopfhörern korrekt wiedergeben. Für den Fokus auf eine größere Fläche und eine ähnliche Richtwirkung wie ein Richtrohr (Shotgun)-Mikrofon gibt es sogenannte Parabolspiegelmikrofone. Geht es darum elektromagnetische Felder hörbar zu machen, sollte man sich mit pickup coils, guitar pickups, VLF Antennen, etc. beschäftigen. Auch Kontaktmikrofone, die man direkt an einem schwingenden Gegenstand befestigen kann, eignen sich gut um interessante Sounds aufzunehmen.

Field Recording Tutorial
Raus aus dem Studio, rein ins Leben! Die besten Sounds warten draußen auf euch. Doch worauf kommt es hierbei an? Technik, Tipps und Tricks für eine gelungenes Field Recording.

Vier Punkte, die du beim Field Recording unbedingt beachten solltest

Nun wird’s ernst. Du hast dein Equipment zusammen und bereitest alles vor für deinen ersten Einsatz im Feld. Die folgenden Punkte helfen dir dabei, einige der bekannten Probleme und Stolpersteine von vornherein auszuklammern:

1. Energie und Speicher

Achte darauf, dass du immer genug Speicherkarten und Batterien dabei hast. Viele Geräte lassen sich auch über USB-Power mit einer Powerbank für extra lange Laufzeiten betreiben. Batterien gehen in manchen Situationen auch wirklich schnell leer – verlasse dich nicht auf die (oft irreführende) Ladebalkenanzeige und noch weniger auf die Herstellerangaben bei der Batterie/Akkulaufzeit! Am Besten machst du vor besonders wichtigen Recordings vorher einen Testlauf, wenn du das Equipment noch nicht kennst.

2. Richtig Pegeln

Jeder digitale Recorder bietet die Möglichkeit die Eingangslaustärke oder Mikrofonverstärkung einzustellen, die natürlich an das Schallereignis angepasst werden sollte. Eine zu hohe Verstärkung lässt das Signal verzerren (Clipping), eine zu geringe Verstärkung hingegen lässt besonders leise Schallereignisse nicht mehr hörbar werden und im Grundrauschen untergehen. Kritisch wird es, wenn leise und laute Schallereignisse gemischt auftreten oder kurz hintereinander. Dafür ist es oft nötig während der Aufnahme den Eingangspegel anzupassen oder den Limiter einzuschalten (falls im Recorder vorhanden), der in diesem Fall eingreift. Jedoch ist das manuelle Pegeln sinnvoller, da der Limiter meist digital ist und das Signal dennoch übersteuert aufgezeichnet wird. Man kann das mithilfe der Pegelanzeige machen oder einfach über einen Kopfhörer das Signal live mithören und überwachen. Dafür sind geschlossene Kopfhörer gut geeignet um die Umgebungsgeräusche auszublenden und um die Signalqualität besser beurteilen zu können. Generell empfiehlt es sich bei einer maximalen Auflösung von 24 Bit bei ca. -10 dB gepegelt werden. Manche Geräte bieten eine Backup-Funktion, die gleichzeitig zwei Aufnahmen aufzeichnet, wobei die zweite mit einem geringeren Pegel aufgenommen wird und im Falle von Clipping verwendet werden kann.

3. Störgeräusche vermeiden

Das Minimieren von ungewollten Geräuschen ist ebenfalls wichtig für eine gute Aufnahme. Verwende am besten eine „Dead Cat“ als Windschutz oder gar einen Windkorb für externe Mikrofone. Versuche dich und den Recorder sowie externe Mikrofone nicht zu bewegen und warte einen geeigneten Moment für die Aufnahme ab, bei der möglichst wenig Umgebungsgeräusche passieren. Außerdem solltest du „leise Kleidung und Schuhe“ tragen, damit du selber nicht zum Störfaktor wirst. Gerade für sensible und längere Atmo-Aufnahmen ist es ratsam, das Mikrofon bzw. den Recorder auf einem Stativ zu befestigen, da oft Druckgeräusche an Mikrohalter und/oder Recorder beim Umgreifen oder Betätigen von Tasten am Gerät entstehen. Oft kann dadurch auch die Ausrichtung des Mikrofones das Ergebnis verbessern. Vor allem bei gerichteten Mirkofonen, die von einer Kugelcharakteristik abweichen, ist die Ausrichtung sehr ausschlaggebend. Testaufnahmen helfen dabei die beste Position zu finden.

4. Mach dir Notizen

Du warst drei Stunden mit Boom-Pole und Field-Recorder im Wald spazieren, irgendwann am Ende weißt du, hat der Vogel einen Laut von sich gegeben, auf den du aus warst. Zuhause angekommen weißt du aber nicht mehr wann das war, hast stundenlanges Audio-Material und musst das meiste erneut hören, um die Stelle wiederzufinden. Ok, Extrembeispiel, aber dennoch: Notizen können bei langen Aufnahmen helfen auffällige und interessante Stellen wiederzufinden und später zu bearbeiten ohne das gesamte Material erneut hören zu müssen. Desweiteren gibt es viele Situationen, in denen du die Aufnahme unterbrichst und wieder aufnimmst, und der Recorder macht eine neue Datei daraus: Die meisten Recorder zeigen den Dateinamen mit fortlaufender Nummer im Display an. Schreib dir am Besten auf in welchen Situationen/Szenen welche Dateien vorhanden sind und grobe Stichpunkte, was darin enthalten ist.

 


Checkliste für dein Field Recording

Material:

  • Recorder
  • Windschutz (Dead Cat, Windkorb)
  • Kabel für ext. Mikrofon in ausreichender Läge mit Ersatz
  • Batterien oder Powerbank
  • Kopfhörer
  • Speichermedien (SD/SDHC Card)
  • Stereoschiene für Stereoaufbau
  • Mikrofonklemmen
  • Preamps für besonders leise Schallereignisse
  • Stativ bei Atmoaufnahmen oder Angel für Filmton
  • Schreibzeug
  • externe Mikrofone angepasst an Aufnahmesituation
  • Klebeband
  • Regenschutz

Spickzettel Mikrofoncharakteristiken für Field Recording

CharakteristikAufnahmesituation
Richtrohr (Keule)Hohe Entfernung zum Schallereignis, minimierung von Nebengeräuschen, Sprache (eher ungeeignet für Innenraumaufnahmen wegen Reflexionen, lautem Diffusschall)
Kugelfür Atmo (auch im AB Stereoverfahren)
Niere – Hyperniereleicht bis stark gerichtet für mittlere Entfernungen, Schallereignisse auf relativ großer Fläche hauptsächlich für Stereoaufbau ORTF, XY
AchtAls Seitensignal für MS-Stereo (geeignet für Atmoaufnahmen)

 

 


Kann ich mein Kabel reparieren? Kabelbruch und andere Probleme finden!

Audio-Kabel im Live- und Proberaumeinsatz haben es nicht leicht: Auf ihnen wird herumgetrampelt, sie werden mit dem Mikrofon durch die Luft geschleudert, an ihnen wird gezogen und nicht selten gibt’s Kabelsalat der nur durch Ziehen und Schütteln entwirrt werden kann.

Wenn dann ein Knarzen oder andere Störgeräusche auftreten oder gar kein Signal mehr ankommen, gilt es den Fehler im Kabel zu finden, der sich überall verstecken kann. Neu kaufen geht schnell ins Geld, doch Kabel reparieren und löten ist oft günstiger und einfacher als man denkt! Um Kabelbruch oder andere Fehler zu diagnostizieren, habe ich hier drei Methoden aufgeführt, die ihr auf der Suche nach dem Fehler verwenden könnt.

von Frederic Schmidt

Kabel reparieren
Knarzen, Störgeräusche in Kabeln oder gar kein Signal ist eine ärgerliche Sache. Neu kaufen geht schnell ins Geld, doch Fehler finden und Kabel reparieren ist oft günstiger und einfacher als man denkt!

1. Gaaaanz sicher, dass wirklich das Kabel das Problem ist?

Klingt blöd, ist aber so: Oft sucht man den Fehler an der falschen Stelle. Ein unsauberes Signal oder gänzliche Stille können auch durch eine fehlerhafte Buchse am Instrument oder Verstärker entstehen. Auch falsch vorgenommene Einstellungen an DI-Boxen oder Mischpulten sind hier oft leicht zu behebende Gründe für unsaubere oder ausbleibende Signale.

Überprüfe daher erst einmal alle anderen Möglichkeiten und tausche das Kabel gegen ein Ersatzkabel aus, von dem du dir absolut sicher bist, dass es in einem tadellosen Zustand ist. Sollte sich der Verdacht erhärten und tatsächlich ein fehlerhaftes Kabel der Grund sein, ist das ärgerlich – aber dafür bist du hier richtig! Denn mit den folgenden Punkten lässt sich der Fehler meistens finden.

 

2. Ist der Stecker schuld?

Die erste Handlung bei der Überprüfung des Kabels sollte sein, dass ihr die Stecker an beiden Enden öffnet und euch die Kontaktstellen anschaut. Voraussetzung hierfür ist, dass sich keine verpressten Stecker am Kabel befinden, die sich nicht öffnen lassen.

 

Liegen Litzen frei?

Achtet nun bei der Sichtprüfung darauf, dass keine Litzen der einzelnen Kontakte (Adern) frei liegen, die einen Kurzschluss verursachen. Falls doch, hilft auslöten und anschließendes neuverzinnen der Ader. Manchmal reich es auch die freiliegende Litze abzuzwicken.

Ist die Lötstelle locker oder „kalt“?

Weiterhin könnt ihr durch Ziehen überprüfen, ob alle Lötstellen noch fest sind. Ist eine Lötstelle matt und nicht mehr glänzend, kann es sein, dass diese „kalt“ ist und dadurch nicht mehr ausreichend leitet. In beiden Fällen gilt: Nachlöten!

Sind die Pins beim Male-Stecker intakt?

Bei der Verwendung von Phantomspeisung kann es bei Kontaktschwierigkeiten dazu kommen, dass sich der Pin erwärmt und das umgebende Plastik oder die Lötstelle schmilzt, was zum Signalverlust führt. Hier einfach einen neuen Stecker anlöten.

 

3. Ist der Stecker ist in Ordnung? Dann Kabel auf Beschädigung prüfen!

Verfolge das Kabel von Stecker zu Stecker und achte auf Beschädigungen der Ummantelung sowie Verdrehungen und Knicke die sich nicht mehr lösen. Sollte eine Beschädigung vorhanden sein, ist diese mit hoher Wahrscheinlichkeit der Grund für die Fehlfunktion. Der Stecker sollte in diesem Fall bis zu dieser Stelle zurückgesetzt werden. Also Abschneiden, Stecker ablöten und neu anlöten.

 

4. Überprüfen mit Hilfe eines Kabeltesters oder Multimeters

Kabeltester bieten eine einfache und schnelle Möglichkeit nachzuschauen, wo der Fehler in Kabel steckt, wenn Sichtprüfung und die mechanische Prüfung zu keinem Ergebnis führen. Zum Testen steckt man einfach beide Enden an den Tester und schaltet die Kanäle durch. Hier sollten im Optimalfall immer Nr. 1 und Nr.1 gemeinsam aufleuchten, Nr. 2 und Nr. 2 gemeinsam usw. Im Gegensatz zu der Verwendung eines Multimeters musst du hiermit nicht jede Ader einzeln messen. Wenn du kein Kabeltester zur Hand hast und du doch ein Multimeter verwenden möchtest, helfen hier oft Adapterstecker, um das Multimeter dauerhaft mit Krokodilklemmen zu verbinden.

Kabeltester zum Kabel reparieren

 

Die Nummernpaare stimmen nicht überein?

Wenn alle Nummernpaare stimmen (also keine Ader unterbrochen ist und die Adern ähnliche Widerstandswerte liefern), tritt der Fehler vermutlich nur sporadisch auf, dann weiter mit dem nächsten Punkt! Sind tatsächlich Nummernpaare vertauscht oder glimmt eine dritte LED ganz oder leicht mit (Widerstandswert einer Ader stark abweichend), dann liegt anscheinend ein dauerhafter Kurzschluss im Kabel vor. Dies ist so ziemlich der „worst case“. Nun solltest du erneut nach Beschädigungen der Ummantelung schauen, auch wenn sie noch so klein sind und den Stecker hinter diesen Punkt zurücksetzten. Wenn du absolut nichts findest, ist es den Aufwand nicht wert und das Kabel landet im Müll. Aber vorher besser schnell die Stecker ablöten, um sie wieder zu verwenden!

Nummernpaare stimmen und Kabel dennoch defekt? Provozier es!

In diesem Fall sollte das Kabel gebogen und bewegt werden. Das Kabel einfach drehen und winden was das Zeug hält und dabei die Kanäle weiter durchschalten. Achtet nun darauf, ob Nummernpaare vertauscht sind oder zusätzlich eine dritte LED am Gerät leicht glimmt, was auf einen Kurzschluss hindeutet. Meist Tritt der Fehler dort im Kabel auf, wo eventuell Beschädigungen von außen erkennbar sind. Tritt der Fehler nun beim Bewegen an einer bestimmten Stelle des Kabels auf, sollte der Stecker bis hinter diesen Punkt zurückgesetzt werden. Dies verlangt oft nach Geduld und ist auch nicht immer erfolgversprechend. Ist der Fehler nach der Reparatur noch vorhanden, lohnt ein weiterer Reparaturversuch nicht und das Kabel kann entsorgt werden. Auch hier: Stecker vorher ablöten um sie ggf. wieder zu verwenden lohnt sich!

 


5 Profi-Tipps zum Kabel löten (XLR oder Klinke)

Kabel löten mag von Anfang an nicht jedermanns Sache sein, kann man aber mit der Vielzahl an DIY-Tutorials leicht lernen – ob XLR- oder Gitarren/Klinkenkabel Ein paar Tricks und Kniffe, die uns oft die Arbeit dabei erleichtern, wollen wir hier gerne mit euch teilen – denn je besser die Kabel gefertigt sind, desto zuverlässiger halten sie auch der strapaziösesten Recording-Situation stand!

von Frederic Schmidt

DIY Tutorial Kabel Löten
Kabel löten ist von vornherein nicht jedermann Sache, kann man aber mit der Vielzahl an DIY-Tutorials leicht lernen. Ein paar Tricks und Kniffe, die uns oft die Arbeit dabei erleichtern, wollen wir hier gerne mit euch teilen!

1. Gut verzinnt ist halb gelötet!

Nacktes Kabel in den Kelch stecken kann man zwar auch, besser rutscht’s mit etwas Zinn! Das Prinzip kennt man: Erstmal Litze verzinnen und steif machen bevor man es in den Kelch steckt. Passt besser und rutscht nicht wieder raus. Nebenbei erhält man eine festere Lötstelle, die nicht „kalt“ ist und besser die Signale leitet. Und wenn man sowie so schon dabei ist, gleich noch ein bisschen Zinn in den Kelch packen. Viel hilft viel. Isso!

Kabel löten Tutorial Kabel löten Tutorial

 

2. Beim Mantel: Cuttermesser statt Abisolierzange!

Abisolierzangen können oft helfen, ansonsten aber auch gut nerven: Da die meisten Abisolierzangen für dicke Ummantelungen aus Gummi nicht zufriedenstellend arbeiten (verletzen oft die innen liegenden Litzen und die Schirmung), verwendet einfach ein Cuttermesser! Das Ende des Kabels wird dazu in einem engen Radius gebogen und an dem Scheitelpunkt der Biegung bei ca. 2 cm vom Ende des Kabels mit dem Cuttermesser angeritzt. Durch das Biegen des Kabels reißt der Schnitt langsam auf und man kann das innere des Kabels sehen (die Schirmung), jetzt biegt man das Kabel in die entgegengesetzte Richtung und wiederholt den Vorgang. Danach kann man mit etwas Kraft die Mantelung abziehen. Feddich!

XLR Kabel löten XLR Kabel löten

 

3. Schirmung verkürzt – Zug entlastet.

Bei der Schirmung (Masse) empfiehlt es sich das bereits verzinnte Ende so weit zu kürzen, dass noch ca. 1-3mm über den Rand der Lötwanne herausstehen. Diese Verkürzung bewirkt, dass beim Versagen der eigentlichen Zugentlastung die Zugkraft nicht auf einer der feinen Litzen liegt, die dadurch leicht abreißen können, sondern auf der viel dickeren Schirmung (Masse), die einer deutlich höheren Zugkraft standhalten kann und somit im Ernstfall das abreißen des Signals verhindert.

XLR Kabel löten - Schirmung mit Seitenschneider verkürzen zur Zugentlastung

 

4. Hallo…? Telefonzange!

Unter Zuhilfenahme der Telefonzange kann man die einzelnen verzinnten Litzenenden in das vorher verflüssigte Lötzinn in der Lötwanne tauchen und läuft nicht Gefahr sich zu verbrennen. Geht zwar auch mit anderen Zangen, aber probiert’s mal aus: Ist durch die Biegung einfach viel bequemer!

XLR Kabel löten

 

5. Der richtige Lötzinn (Lot)… sonst macht das Leben keinen Zinn!

So seid gewarnt: Lötzinn ist nicht gleich Lötzinn! Da gibt’s endlos viel Auswahl. Kurze Antwort: Empfehlenswert für XLR- oder Klinkengabel finden wir Lötzinn namens Sn60Pb40, Sn62Pb36Ag2 oder Sn63Pb37.

Lange Antwort: Seit 2006 ist in vielen Bereichen bleihaltiges Lötzinn verboten, im Hobby-Bereich hingegen ist es weiterhin erlaubt und erleichtert das Löten immens, nebenbei stellt es einen wichtigen Bestandteil eines für diesen Zweck gut geeigneten Lots dar. (Blei – Formelzeichen „Pb“) Ein zweiter wichtiger Bestandteil ist Zinn. (Formelzeichen „Sn“) Gängiges Lot für Elektroanwendungen hat daher zum Beispiel die Bezeichnung „Sn60Pb40“ was bedeutet, dass es aus 60% Zinn und 40% Blei besteht. Es wird bei 191°C flüssig und bei 183°C wieder fest.

Wenn ihr es noch etwas leichter beim Löten haben wollt, dann greift ihr zu „eutektischem“ Lot. „eutektisch“ bedeutet, dass das Lot beim Erreichen einer bestimmten Temperatur flüssig wird und beim Unterschreiten der selben Temperatur wieder fest. So zum Beispiel „Sn62Pb36Ag2“ (eutektische Temp. 179°C). Ein weiterer Vorteil ist hier, dass 2% Silber („Ag“) enthalten sind, was die Leitfähigkeit steigert und dem bessere klangliche Eigenschaften nachgesagt werden. (Nachteil: teurer) Die Verwendung von eutektischem Lot ermöglicht es bei ca. 2°C über der angegebenen eutektischen Temperatur zu löten und somit bei sehr kurzen Schmelz- und Aushärtungszeiten materialschonend zu arbeiten. Anderes eutektisches Lot ist „Sn63Pb37“ (eutektische Temp. 183°C)

Auch wichtig: Flussmittel, welches im Lötzinn enthalten ist. Solltet ihr Lötzinn verwenden, der ohne Flussmittel daherkommt, ist es ratsam dieses separat zu kaufen und dann einfach das Litzenende vor dem verzinnen kurz hinein zu tauchen.


Tape Delay (Band-Echo) läuft nicht rund – was tun?

Unser geliebtes, altes Vorg Echo Orbit Tape Delay lief nicht mehr rund – beim letzten Recording eines psychedelischen Gitarren-Solos fiel uns auf: Hier ist irgendwas etwas ZU psychedelisch, denn auch die Tonhöhe schwankte. Der Motor läuft aber eigentlich gut, was ist da los?

von Frederic Schmidt

Vorg Echo Orbit Tape Delay (Band Echo)
Unser geliebtes, altes Vorg Echo Orbit lief nicht mehr rund – beim letzten Recording eines psychedelischen Gitarren-Solos fiel uns auf: Hier ist irgendwas etwas ZU psychedelisch! Der Motor läuft aber eigentlich gut, was ist da los?

1. Problemanalyse

Also schrauben wir unser geliebtes Echo Orbit EO-301 auf und schauen nach: Zum Öffnen des Echo Orbit muss man lediglich den Deckel der Tape Sektion entfernen, dazu einfach die Verschlüsse links und rechts am Gerät entriegeln und den Deckel bis ganz nach hinten aufklappen. Jetzt lässt sich das Scharnier ausharken. Danach eine Schraube an der Rückseite in der Mitte lösen und noch 4 Schrauben an der Unterseite neben den Gummifüßen. Danach kann man die Unterseite des Gehäuses entfernen!

 

Da sich der Motor drehte, war das Problem schnell identifiziert: Der Antriebsriemen war über die Jahre ausgeleiert und hatte nicht mehr Genug Spannkraft!

2. Lösung

Da es für solch alte Geräte sehr schwierig ist geeignete Ersatzzeile zu finden, habe ich zuerst eine Weile im Internet recherchiert und eine Seite gefunden, die Flachriemen in allen Varianten und Ausführungen anbietet. Bleibt nur noch die Frage, welche Größe wir brauchen!

Um die richtige Größe zu finden, misst man einfach den Durchmesser des Riemens oder falls gerissen die Länge und teilt durch π (Pi) also ca: 3,1416 (das sollte genau genug sein ?). Da der Riemen ausgeleiert war, sollte der Ersatzriemen ca. 4 mm kürzer sein im Durchmesser.  Der Shop Safferthal verkauft geeignete Riemen für die meisten Anwendungen – hier gehts zu den Riemen!

Um den Riemen entnehmen zu können, nachdem er von dem Schwungrad und der Antriebswelle des Motors genommen wurde, muss man die Führung des Schwungrades etwas nach oben ziehen und den Riemen an der Oberseite durch den entstandenen Spalt führen.

 

3. Na, alles gut? Und sonst so?

Da das Gerät nun einmal geöffnet war, habe ich außerdem eine Reinigung der Potentiometer durchgeführt. Dazu eignet sich am Besten das Tuner 600 von Kontakt Chemie, da es rückstandsfrei trocknet und die Bauteile auf lange Sicht nicht angreift.

Hier könnt ihr das bestellen bei Reichelt.de

Zur Anwendung einfach in die Öffnung des Potentiometers Sprühen und anschließend das Potentiometer mehrmals von Anschlag zu Anschlag bewegen, den Vorgang nach ca. 5-10 min wiederholen.

 

4. Recording und abfeiern!

Bei dem anschließenden Test des Gerätes hat sich gezeigt, dass sich die Geschwindigkeit des Tapes wieder problemlos über den Echo-Delay-Regler einstellen lässt und das Tape in einer gleichmäßigen Geschwindigkeit läuft – selbst bei harten Rock-GitarrenYeah!


Korg Polysix – Tastaturkontakte reparieren

Unser Neuzugang, ein Korg Polysix, ist ein Klassiker der analogen Synthesizer aus den 80er Jahren und hat ihren Sound maßgeblich mit beeinflusst. Unser Kandidat benötigt etwas Maintenance-Work: Unter anderem einige der Tasten auf der Klaviatur hatten schlechten oder gar keinen Kontakt… Ein bekanntes Problem, da die Carbon Beschichtung an den Gummi-Buttons unter den Tasten nach und nach ihre Leitfähigkeit verliert .

von Frederic Schmidt

Korg Polysix Reparatur
Der Korg Polysix ist mit seinem legendären Sound ein Klassiker der analogen Synthesizer aus den 80er Jahren. Unser Kandidat benötigt etwas Maintenance: Einige der Tasten auf der Klaviatur hatten schlechten oder gar keinen Kontakt...

1. Recherche nach einer geeigneten Reparaturmethode

Nach einiger Recherche im Netz bin ich auf ein Mittel namens Caikote 44 (https://www.amazon.de/CAIKOTE-CONDUCTIVE-COATING-K-CK44-G-DEOXIT/dp/B0131RCPEW/ref=sr_1_fkmr0_1/261-8877906-8011352?ie=UTF8&qid=1512645821&sr=8-1-fkmr0&keywords=caikote+44) gestoßen, eine Art ultra leitfähige Farbe mit Carbon und Silber, die auf die Kontaktseite der Gummi-Buttons aufgetragen wird. Mitgeliefert werden dazu verschiedene Werkzeuge zur Reinigung der Kontakte und zum Auftragen der Farbe. Andere Reparaturempfehlungen waren eher weniger vielversprechend, wie zum Beispiel das reinigen mit Alkohol oder das Anrauen mit einem Radiergummi, da sie nur kurzzeitig helfen. Durch das Auftragen einer neuen leitfähigen Schicht auf die Gummi-Buttons ist mit längerem Erfolg zu rechnen.

2. Ausbauen der Klaviatur

Der Korg Polysix ist recht leicht zu öffnen. Nachdem die 4 Schrauben an der Oberseite entfernt wurden, kann man das Bedienfeld nach oben aufklappen und die Kabelverbindung von der Klaviatur zur Platine lösen. Anschließend gilt es an der Unterseite des Gerätes 6 Schrauben zu lösen, die die Klaviatur halten. Nun lässt sich die Klaviatur entnehmen.

Außerdem sollte kurz gecheckt werden ob die Batterie auf der Platine bereits gegen eine moderne Knopfzelle getauscht wurde, alte Batterien können auslaufen und dabei die Platine beschädigen.

2. Zerlegen der Klaviatur und Auftragen des CaliKote 44

Um an die besagten Gummi-Buttons zu gelaungen, muss man die Klaviatur umdrehen und alle Schrauben an der langen Platiene lösen.

anschließend muss man die Gummi-Buttons (jeweils 6 in einem) abziehen, die mit kleinen Noppen an der Platine befestigt sind. Dabei bitte vorsichtig vorgehen um die Noppen nicht zu beschädigen. Mit dem mitgelieferten Werkzeugen (Bürste und Zahnstocher mit Watte dran) wird anschließend die Kontaktfläche gereinigt.

Nun folgt der wichtigste Teil, das Auftragen der CaliKote 44 Farbe auf die Kontaktflächen der Gummi-Buttons. wichtig dabei ist, dass die Farbe nicht über den Rand hinweg aufgetragen werden sollte und eine einheitliche Oberfläche geschaffen wird, oft sind dafür mehrere Schichten nötig. Zum Auftragen wird das mitgelieferte Schwämmchen am Stiel benutzt. Die Farbe ist sehr ergiebig und reicht für mehrere Anwendungen, also nach dem Auftragen wieder gut verschließen für den nächsten Patienten. Es wird empfohlen zu Beginn der Trocknungsphase eine Glühbirne für einige Stunden auf die Gummi-Buttons zu richten. Anschließend einfach über Nacht trocken lassen. Da sich die Farbe dabei zusammen zieht, kann es vorkommen, dass nach dem Trocknungsprozess einige Stellen der Buttons freiliegen, sodass man eine weitere Schicht auftragen muss um die Lücken zu schließen. Anschließend setzt man wieder alle Gummi-Buttons ein und baut das Gerät wieder zusammen.


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Da wir verstimmte Gitarren in der Regel nicht mögen, haben wir über die Zeit folgende Tipps und Tricks zum Gitarre Stimmen zusammengetragen, die wirklich einen riesigen Unterschied machen:

1. Dreht den Tone-Poti runter

Warum? Das Stimmgerät interessiert sich nur für den Grundton, die Grundfrequenz der Saite – diese gilt es mit den Tuner möglichst genau zu messen. Je weniger Ablenkung das Stimmgerät durch Geräusche oder periphere Obertöne erhält, desto präziser wird es reagieren. Daher reicht der „mumpfige“ Sound mit zugedrehtem Tone-Poti dem Stimmgerät völlig, da dies auch die Anschlaggeräusche minimiert. WICHTIG: Nicht vergessen den Poti danach wieder aufzudrehen – vor allem die Bassisten, bei denen man es vielleicht nicht sofort merkt!

2. Stellt die Gitarre auf den Neck-/Rhythm-Pickup

Auch hier gilt das gleiche wie beim ersten Punkt: Je mehr wir das Stimmgerät mit der Grundfrequenz füttern, desto präziser arbeitet es. Nur die Erklärung ist etwas weniger intuitiv in diesem Fall: Erste Faktengrundlage für diese Erkenntnis ist die Theorie der Obertonreihe: Wenn ihr euch diese genauer anschaut, erkennt ihr: Ausgehend vom Grundton (1) sind die Obertonstufen (2) und (4) und (8) immer Oktaven – d.h. sie sind für das Stimmgerät ein und derselbe Ton! Zweite Erkenntnis könnt ihr euch durch das Spielen von Flagiolett-Tönen ableiten: An manchen Stellen über der Saite bilden sich manche Obertöne besonders leicht. Die Obertonstufe (4) bildet sich beispielsweise über dem 5., 12. und 24. Bund – oder eben genau über eurem Neck-Pickup!

3. Schlagt die Leersaite über dem zwölften Bund an statt über dem Pickup

Und wieder die gleiche Erklärung wie bei den vorherigen Punkten. Besonders das Oberton-Prinzip aus dem zweiten Punkt kommt hier wieder zu Tragen: Je näher ihr die Saite an einem Punkt anschlagt, bei dem besonders leicht die Oktav-Obertonstufen angetriggert werden, desto sauberer kann das Stimmgerät messen. Außerdem: Beim Anschlag über dem Pickup entstehen außerdem Nebengeräusche, die das Stimmgerät außerdem ablenken.

4. Immer von unten anschleichen!

Was damit gemeint ist: Beim Stimmungsvorgang dreht ihr die Saite ja so lange höher oder tiefer bis irgendwann die begehrten grünen Lämpchen auf dem Stimmgerät blinken. Das stabilste Tuning erreicht ihr immer, wenn ihr die Saite erst etwas tiefer dreht um euch dann vorsichtig von unten „anschleicht“ und langsam höher dreht, bis die Saite stimmt. Hintergrund: Jedes Runterstimmen bedeutet eine kleine Druckentlastung für Hals und Mechaniken. Gerade wenn die Mechaniken nicht perfekt sind passiert es öfters, dass es beim runterstimmen „springt“ wenn der Druck einen gewissen Schwellwert unterschreitet – das gleiche kann bei allen anderen Druckpunkten passieren. Wenn ihr vorsichtig hingegen den Druck erhöht, also höher stimmt, passieren diese Sprünge seltener.

5. Stimmt die Saiten immer „aufwärts“ 

Stimmt also vom tieferen Ton nach oben, beginnend mit der tiefen Saite. Hier der gleiche Hintergrund wie im vorherigen Punkt – es sind die Spannungsverhältnisse: Dickere Saiten tragen mehr Spannungskraft als die dünneren Saiten. Ergo: Wenn ihr erst die dickeren Saiten stimmt und euch dann hocharbeitet, wird sich weniger an der als erstes gestimmten Saite verändert haben wenn ihr an der letzten angekommen seid als wenn ihr es umgekehrt macht.

6. Spielt im Studio dickere Saiten

Das ist natürlich auch immer eine Sound- und Spielpräferenzfrage. Aber generell gilt, wie aus dem vorherigen Punkt theoretisch hervorgeht: Dicke Saiten bleiben länger „in tune“, der Sound aus den Pickups wird fetter und sie klingen nicht so scharf bei hartem Anschlag. Gerade bei Tunings abseits des Standard-Tunings wie Drop-D oder Drop-C sind dünne, tiefe E-Saiten fast nicht verwendbar im Studio. Denkt aber dran: Wenn ihr auf einmal von 10er Saiten auf 11er umsteigt, verändert sich die Zugkraft auf euren Gitarrenhals und die Saitenlage. Es wird ziemlich sicher notwenig sein, die Gitarre neu einzustellen oder einstellen zu lassen.

7. Beim Spiel mit Capo: Nachstimmen!

Falls ihr einen Kapodaster verwendet: Immer Nachstimmen nachdem ihr ihn gesetzt habt. da ihr den Capo nie genau so setzen könnt, dass keine Verstimmung auftritt.

8. Stimme so wie du spielst!

Merke, dass das Tuning variiert, je nachdem wie fest man die Saite anschlägt! Je fester du die Saite bei dem aufzunehmenden Part anschlägst, desto höher schwingt der Ton anfangs. Dies sollte also immer zu deiner Spielweise oder dem Part passen, den du vorhast, in dem Moment aufzunehmen. Beispiel: Wenn du einen hart gespielten 16tel-Powerchord-Mute-Part aufnehmen möchtest, bei dem du ordentlich reinlangst, macht es keinen Sinn, butterweich beim Stimmen die Saite anzuschlagen, wahrscheinlich wird der aufgenommene Part dann etwas zu hoch sein, da hier fast du die anfängliche „Pitch-Overshoot“-Tonhöhe hörbar sein wird.

9. Nehmt alle das gleiche Stimmgerät

Wenn es den Workflow nicht zu sehr aufhält, versucht innerhalb einer Produktion nur ein Stimmgerät zu verwenden und (wenn möglich) immer von der gleichen Person. Denn zwischen Tuner Modellen kann es zu leichten Unterschieden kommen und von Person zu Person kann der Anschlag und die Zeit von Anschlag bis zum tunen variieren.

…immer noch Probleme mit dem Tuning?

Schnapp dir Producer, Engineer oder Bandmitglied und versuch die Gitarre zu stimmen, während du den oder die problematischsten Akkorde greifst, die im entsprechenden Song vorkommen. Danach punktuell in die Aufnahmen reinschneiden zur Not. Das kann dabei helfen intonatorische Probleme des Instruments temporär zu umgehen!

…klingt immer noch Schepp?

Option 1)

Option 2)

Check die Oktav- und Bundreinheit, es lohnt sich sie regelmäßig an den entsprechenden Stellen vor Studioaufenthalten und nach Saitenstärkenwechsel neu einstellen zu lassen. Das ist eine ganze Welt für sich und jede Gitarre hat je nach Bauweise verschiedene Stellen, die man jeweils nach einer gewissen Zeit überprüfen (lassen) sollte. Sofern ihr damit noch nicht viele Erfahrungen gesammelt habt, solltet ihr das Instrument zu einem Fachmann bringen.

Doch Vorsicht: Nicht alle Musikhäuser sind hier gut qualifiziert (auch wenn sie das sagen!) und wir haben sehr durchwachsene Erfahrungen gemacht.

Ihr wisst nicht an wen ihr euch wenden sollt um eure Gitarre studiotauglich einzustellen? Sprecht uns einfach an – wir geben gerne unsere Kontakte und Erfahrungen weiter!


Yamaha DX7-IID Tasten defekt – was kann man tun?

Der wohl bekannteste Synthesizer der 80er Jahre. Um ihn in Produktionen verwenden zu können, muss er jedoch in einem einwandfreien Zustand sein. Hier waren nun einige Tasten defekt. Um bei einem Yamaha DX7 Tasten reparieren zu können, braucht man so ein paar Tricks und Kniffe, für die wir selber etwas Recherchieren mussten. Hier haben wir diese nochmal für euch zusammengefasst!

von Frederic Schmidt

Yamaha DX7 Tasten reparieren
Der wohl bekannteste Synthesizer der 80er Jahre. Um in Produktionen verwendet zu werden, muss er jedoch in einem einwandfreien Zustand sein. Was tun, bei defekten Tasten und verdreckter Klaviatur?

Unser schon etwas in die Jahre gekommener Yamaha DX-7 II D Synthesizer hatte folgendes Problem:

Drei der 25 schwarzen Tasten auf der Klaviatur haben sich nach dem Drücken verkantet oder die umliegenden weißen Tasten mit gedrückt, was dazu führte, dass er nicht mehr vernünftig gespielt werden konnte.

Das Problem war, dass die betroffenen Tasten locker waren und aus der Führung gesprungen sind, sodass die kleinen Federplättchen, die sich unter jeder Taste befinden, nicht mehr gespannt waren. Später zeigte sich, das die Haltevorrichtung an den Tasten, mit denen sie an der Grundplatte der Klaviatur eingeharkt werden, abgebrochen war. Um das Problem zu beheben und die fehlerhaften Tasten auszutauschen, muss also die Klaviatur ausgebaut werden.

1. Lösen der Platinen oberhalb der Klaviatur

Um an die Klaviatur heran zu kommen muss man das Gerät umdrehen und zuerst die Bodenplatte entfernen, die mit 15 Schrauben befestigt ist.

Anschließend löst man die Steckverbindungen der Kabelstränge, die mit der Klaviatur verbunden sind. Außerdem gibt es 2 Separat angeschraubte Erdungen für die Tastatur die ebenfalls zu entfernen sind.

Achtung: Die Platinen müssen nicht komplett entfernt werden, es reicht sie zu lösen und etwas beiseite zu bewegen, da nur ein wenig Platz benötigt wird um anschließend die Klaviatur an den Platinen vorbei zu manövrieren. Es empfiehlt sich außerdem die verschiedenen Schrauben in kleinen Gefäßen zu sammeln und ihrem Ursprungsort im Gerät zuzuordnen.

Danach kann man die beiden Platinen lösen, die von der Rückseite des Gerätes gesehen links und rechts oberhalb der Klaviatur angebracht sind, um an die Verschraubung der Klaviatur zu gelangen und diese später auch problemlos entnehmen zu können. Die betreffenden Platinen sind zum einen die, an der sich die Klinkenanschlüsse befinden (links) und die, die das Netzteil und den Netzschalter beinhaltet (rechts). Bevor man die Netzplatine lösen kann, muss man noch die zwei Schrauben links- und rechtsseitig des Netzschalters entfernen. Bei der linken Platine müssen zusätzlich noch zwei lange Schrauben entfernt werden, die die Verlängerung des Cartrigde-Schachtes halten.

Platine links: 9 Schrauben, 4 an der Rückseite bei den Klinkenbuchsen und 3 von oben an der Klaviatur plus zwei vom Cartridge Schacht

Platine rechts: 7 Schrauben alle von oben, 3 an den Halteblöcken und 3 an der Klaviatur plus zwei vom Netzschalter

2. Ausbauen der Kalviatur

Nun kann man die Klaviatur lösen und entnehmen, sie ist mit fünf Schrauben befestigt. Die fünfte Schraube ist etwas versteckt zwischen Klaviatur und Netzplatine (Bild 3). Mit etwas Gefühl lässt sich die Klaviatur nun wie schon beschrieben an den Platinen vorbei bewegen.

3. Entfernen der Tasten aus der Klaviatur

Um die Tasten zu entfernen, muss man die am oberen Rand befindliche Plastikschiene abziehen, die die Tasten zusätzlich sichert. Danach muss man von vorn Druck in Richting der Oberkante auf die Taste ausüben, um die Feder zu entlasten. Dann kann man sie einfach nach oben abheben. Die weißen Tasten müssen dabei zuerst entfernt werden, bevor man die schwarzen Tasten entfernen kann.

4. Recherche nach Ersatzteilen (Tasten)

Ersatzteile für den Yamaha DX 7-II D und andere Modelle der Reihe findet man am einfachsten im Internet, die Seite

http://www.synth-parts.com

bietet eine breite Auswahl für allerlei verschiedene Synthesizer Modelle und andere Instrumente, ist jedoch relativ teuer. Ich bin auf meiner Suche auch auf Ebay Kleinanzeigen fündig geworden. Eine schwarze Taste hat in dem Fall 4 Euro gekostet. Eine weitere interessante Sache ist, dass die FS Klaviatur von Yamaha auch in anderen Synthesizern von weiteren Herstellern verbaut wurde.

Geräte mit FS Klaviatur:

  • Yamaha DX7
  • Yamaha SY77, SY99
  • Korg 01/W FD (61 Tasten Version)
  • Korg M1
  • Korg T2, T3
  • Korg Wavestation

Geräte bei denen die gleichen Tasten verwendet wurden:

  • Yamaha DX7 (DX7, DX7s, DX7 II FD)
  • Yamaha SY-85
  • Yamaha SY-77
  • Yamaha EX-5
  • Korg M1
  • Korg Triton
  • Korg Wavestation
  • Korg Prophecy
  • Korg 01/W
  • Korg Trinity
  • Motif 6
  • Motif 7
  • Motif PF-10

5. Reinigen der übrigen Tasten und der Klaviatur-Grundplatte

Wenn man die Klaviatur und die Tasten einmal zerlegt hat, sollte man in diesem Zuge auch eine Reinigung durchführen, da sich unter den Tasten im Laufe der Zeit einiges an Schmutz, Staub und anderen Fremdkörpern ansammelt. Mit Hilfe eines Staubsaugers und eines festen Pinsels kann man die Klaviatur-Grundplatte gut reinigen und von Konfetti und Staub befreien. Die Tasten kann man zusätzlich in einen Eimer mit warmen Wasser und Spülmittel legen und mit einer Bürste säubern, dabei sollte man im Vorfeld die Federplättchen entfernen. Diese sind identisch an den schwarzen und weißen Tasten und lassen sich einfach entnehmen und einsetzen.

6. Einsetzen der Tasten

Beim wiedereinsetzen der Tasten ist zu beachten, dass es 7 verschiedene Typen von Tasten gibt, die nach einem bestimmten Schema eigesetzt werden müssen. Generell gilt, schwarz vor weiß. Jede taste hat auf der Oberseite ihre Typ-Bezeichnung.

Schema: von links nach rechts, lezte Taste rechts ist C (nur einmal vorhanden)

CFBlackDBlackBECFBlackGBlackABlackCFBlackDBlackBE

 

Beim Einsetzen sollte außerdem darauf geachtet werden, dass die Feder wieder in ihrer kleinen Tasche auf der Klaviatur-Grundplatte sitzt.


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